Zurück in den Beruf in Münster

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„Möglichst viele, bunte Erfahrungen sammeln“

Elisa P.* Migrantin und Mutter eines kleines Kindes, hat als junge Alleinerziehende mit viel Durchhaltevermögen das Studium geschafft und eine Arbeit gefunden, in der diese Erfahrungen gebraucht werden.

Ich bin unter 30 und arbeite seit ca. drei  Jahren in der Studierendenberatung mit voller Stelle. Mein Kind wird dieses Jahr  fünf, ich war von Anfang an alleinerziehend. Das Examen habe ich gemacht, da war mein Kind knapp zwei  Jahre alt. Selbst wenn sich das auf den ersten Blick als eine Erfolgsstory anhört, so waren die Ausgangslage und der erste Neuanfang in der veränderten Konstellation mit einem Kind alles andere als einfach und reibungslos.

Bis zur Geburt meines Kindes hatte ich mein Studium eigenständig über verschiedene studentische Jobs finanziert. In der fortgeschrittenen Schwangerschaft und in der ersten Zeit nach der Entbindung war das nicht mehr möglich. Aber mit meinem Migrationshintergrund und dem rechtlichen Status hatte ich aber auch keinen Anspruch auf soziale Leistungen.  Meine Mutter konnte nach der Geburt nur zwei oder drei Mal jährlich  in die Bundesrepublik einreisen. Ich hatte keine Verwandten hier und musste auch die Trennung und Ausreise vom Partner noch wegstecken. Als Krönung der ganzen Sorgen blieb allerdings der ausstehende Abschluss, der meine einzige Chance war, meinem Kind und mir etwas für die Zukunft anzubieten und der mir gleichzeitig den höchsten Druck bereitete. Letztendlich ging es ums Überleben, und da hat sich wohlmöglich der Selbsterhaltungstrieb in Eigenregie  eingeschaltet.

Ich habe bis kurz vor der Geburt parallel in mehreren Nebenjobs gearbeitet. Daneben verging kein einziger Tag, an dem ich nicht recherchierte und mir Rat holte. So habe ich etliche Beratungsstellen und Einrichtungen abgeklappert, von Pro Familia über Caritas und SKF, Uni, ASTA, Studentenwerk und Hochschulgemeinden, VAMV, GGUA, Stadt, Jugend-, Arbeits- und Wohnungsamt, Familienkasse, Ausländerbehörde, Bundesversicherungsamt,  ja auch Kirchen, gemeinnützige Vereine, Stiftungen  und Spendenprojekte.  Und diese ständigen Bemühungen haben dann auch langsam Erfolge gebracht. Ich wurde in einem Stipendienprogramm für Alleinerziehende aufgenommen (Madame Courage), wodurch  der Studienabschluss möglich wurde. Über die bemühte und fürsorgliche Begleitung der Beraterinnen der verschiedenen Einrichtungen, habe ich erfahren: Es gibt Strukturen, die einem unter den Arme greifen und auffangen, vorausgesetzt man öffnet sich dafür. Und es gibt auch Gleichgesinnte, zu denen man gerade auch über solche Strukturen findet.

Als dieser schwierige Lebensabschnitt erst mal hinter mir war und ich einen kleinen Sieg errungen hatte, geriet ich in einem anderen Wirbel. Ich stand nämlich da, zwar mit einem Hochschulabschluss in der Tasche, allerdings auch mit einem kleinen Kind und ohne Möglichkeit, noch viel darauf aufzubauen.

Da erst wurde mir klar, wie wichtig und nützlich es für den späteren Lebensweg sein kann, dass man immer in Bewegung bleibt, immer aktiv  und möglichst viele, bunte Erfahrungen sammelt. Eine ebenso wichtige Rolle hat auch die persönliche Lebenserfahrung gespielt. Gerade das Schwierigste, was ich durchmachen musste, war mir eine der größten Lehren.

Ich sollte mit Studierenden in den unterschiedlichsten Lebenssituationen arbeiten … da wo finanzielle Schwierigkeiten, Schwangerschaft, Kinder, das Alleinerziehendsein, der Ausländerstatus, psychische Belastungen und die Unsicherheiten mit Hinblick auf die Zeit  nach dem Studienabschluss zusammenkommen. Da ich das alles selber durchgemacht habe, hatte ich ganz spezielle Einblicke, um die Menschen in Not auch auf einer persönlichen Ebene  verstehen zu können. Ich bin dankbar, dass ich jetzt meinerseits auch anderen zur Orientierung verhelfen kann, so wie man mir damals geholfen hat.

Ich habe gelernt, dass jede Erfahrung im Leben irgendwann mal nützlich ist und eine Resonanz findet. Es hat nur alles seine Zeit und man muss lernen, mit Geduld, offenem Herzen  und auch mit viel Hingabe der Sache ranzugehen. Irgendwann kommt der Tag, wo man die Früchte erntet.

*Name von der Redaktion geändert



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