Zurück in den Beruf in Münster

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„Der Traum war immer da“

Frauke S., Heilpraktikerin und Gründerin

Frauke zögert: Ob sie die Richtige ist für dieses Interview? Ob ihre Gründung eine „typische“ Gründung aus der Arbeitslosigkeit ist. Weil sie die Vorbehalte kennt, mit denen diesen Gründungen begegnet wird. Weil sie das Etikett der „Notgründung“ nicht passend findet. Weil sie seit zwei Jahren selbstständig ist und weiß „Ich bin eine Unternehmerinnen-Persönlichkeit“.

Vor zwei Jahren gründete Frauke ihre Praxis. Hier bietet sie Massagen für Frauen an – von der reinen Wohlfühl-Behandlung bis zur Unterstützung traumatisierter Frauen. „Über den Körper die Seele berühren“ lautet ihr Motto. Viele Jahre hatte sie sich in diesem Bereich weitergebildet und Erfahrungen gesammelt. Heute verfügt sie über Qualifikationen in Ganzheitlicher Energetischer Massage, Biodynamischer Tanztherapie, Ayurvedischer Massage und Hot Stone Massage. Der Schritt in die Selbstständigkeit „war folgerichtig“, sagt sie heute. Und doch war der Start zunächst wie eine Flucht nach vorn. 

Direkt nach dem Examen musste sich Frauke arbeitslos melden. Für die Kulturwissenschaftlerin, die einen sehr guten Abschluss gemacht hatte, lagen die Jobs dennoch nicht auf der Straße. „Ich hätte etwas Zeit gebraucht, um eine gute Stelle zu finden“, sagt sie im Rückblick. Reisen machen, Veranstaltungen besuchen, persönliche Netzwerke aufbauen – das war allerdings mit ihrem Status als Arbeitslose nicht vereinbar.

Frauke findet sich relativ schnell in einer Vollzeitmaßnahme wieder und erlebt einen enormen Druck, verbunden mit der Angst, in dieser Situation gefangen zu sein. „Das war für mich eine Stress- und Schocksituation.“ Bei einer Infoveranstaltung zur Existenzgründung besinnt sie sich auf einen alten Wunsch: „Der Traum von der Körperarbeitspraxis war immer da.“

Sie entscheidet sich zur Gründung. „Und dann gingen alle Türen auf.“ Im ersten Jahr bekommt sie das Einstiegsgeld, mit dem sie die Praxis aufbauen kann. Sie nimmt am Gründungszirkel teil, nutzt die Möglichkeit des Gründungscoachings, erhält den Unternehmerinnenbrief NRW und kann mit der Praxis wachsen. Am Ende des zweiten Jahres ist sie noch über die ARGE krankenversichert, sieht aber mit einem festen und wachsenden Kundinnenstamm, dass sie bald ganz von ihrer Praxis leben kann.

„Aus dem Arbeitslosengeld II-Bezug zu gründen, ist anstrengend“, räumt Frauke ein, die Kontrolle und das Gefühl der Abhängigkeit seien groß. Sie weiß dennoch, dass der Druck der Behörde auch helfen kann, um weiterzukommen. Frauke Stolzmann könnte ein Muster-Beispiel dafür sein, dass Förderung hilft und dass es sich lohnt, nach Unterstützung zu suchen. „Ich hatte immer eine Vision“, sagt sie und macht Pläne. „Das ist das Schöne an der Selbstständigkeit: sich immer wieder neuen Herausforderungen stellen zu können.“



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